Auf den Spuren von „Basic Instinct“

Als ich vor neun Jahren eine Reise nach San Francisco vorbereitete, kam ich auf die Idee, einige Drehorte des Thrillers „Basic Instinct“ aufzusuchen. Angeregt durch die Verfolgungsjagd auf der kurvenreichen Landstraße von San Francisco nach Stinson Beach hatte ich mich entschlossen, dieser Spur einmal selbst mit dem Auto zu folgen.

Es gab drei Orte, die im Film an Hand der Aufnahmen von Schildern und anderen Hinweisen wie eine Adresse auf einem Briefumschlag identifizierbar waren:

  • die Küstenstraße, auf der Detective Nick Curran die Verdächtige Catherine Tramell auf einer halsbrecherischen Fahrt von San Francisco nach Stinson Beach verfolgte
  • das Wohnhaus von Catherine Tramell, welches an einer Straße an der Küste von Stinson Beach lag
  • das Wohnhaus der Mutter von Catherine Tramell in Mill Valley, welches Nick Curran im Rahmen der Ermittlungen aufsuchte

Schon bei der vorbereitenden Recherche stieß ich auf einige Schwierigkeiten, die Lage der ins Auge gefassten Ziele zu ermitteln. Während die Küstenstraße leicht per Google Maps zu bestimmen war, ließen sich die im Film versteckten Hinweise auf die beiden Häuser nicht so leicht auf der Karte finden. Die auf dem Briefumschlag genannte Straße, in der sich das Haus der Mutter befinden sollte, existierte nicht in Mill Valley, sondern nur in einer anderen nahe gelegenen Stadt. Also fiel ein Besuch dieser Location wohl aus, die Adresse war wohl nur ein Fake. Wie konnte ich nur glauben, dass die Drehorte einen realen Bezug hatten?

Das Wohnhaus von Catherine Tramell ließ jedoch noch hoffen. Die genannte Straße existiert, aber die Hausnummer konnte ich mit Hilfe von Google Maps nicht einer eindeutigen Position zuordnen. Aber immerhin gab es eine Straße mit dem im Film gezeigten Namen im richtigen Ort. Also entschloss ich mich, von San Francisco aus der Küstenstraße zu folgen, mit dem Ziel, in Stinson Beach die Straße näher in Augenschein zu nehmen, an der das Haus liegen sollte.

Zunächst überquerte ich von San Francisco kommend auf der Golden Gate Bridge das Meer in Richtung Sausalito. Hat man diese Ansiedlung hinter sich gelassen, dann schlängelt sich die Straße die Berge hoch, wo ich an einem hochgelegenen Punkt auf den Küstenort mit seiner Marina zurückschauen und ein erstes Foto schießen konnte.

 

Blick auf Sausalito und die Marina

 

 

Als Zwischenziel, ganz ohne Bezug zum Film, bot sich das Muir Woods National Monument an, ein Park, in dem die höchsten Bäume der Erde, die Küstenmammutbäume (Sequoia sempervirens) wachsen. Sie können bis zu 115 Meter Höhe erreichen, in Muir Woods sind es maximal 79 Meter Höhe. Dieses Schutzgebiet im Marin County wurde übrigens im Jahr 1908 von Theodore Roosevelt gegründet und nach dem Naturforscher und Naturschützer John Muir benannt. Dort wollte ich einen Zwischenstopp für eine Wanderung im Wald der Sequoias einlegen.

 

Eingang des Muir Woods National Monument

 

Küstenmammutbaum – Sequoia

 

 

Nachdem ich den Park verlassen hatte, hielt ich an einigen weiteren markanten Punkten an, weil mir die Aussicht gefiel. War Muir Woods noch dicht bewaldet, so zeigte sich die Gegend hier eher von der kargen Seite. In den engen Serpentinen gab es keine Parkmöglichkeiten, so dass ich dort leider keine Fotos machen konnte. Das fand ich zwar sehr schade, es war der eigenen Sicherheit wegen aber unvermeidlich.

 

Auf dem Weg nach Stinson Beach

 

Karge Landschaft auf dem Weg nach Stinson Beach

 

 

Die Straße folgte nun der Küstenlinie. An einigen Punkten befanden sich Parkplätze neben der befestigten Straße, so dass man dort gefahrlos parken und die malerische Aussicht auf den Pazifik genießen konnte. In der Ferne war die Silhouette von San Francisco zu erkennen. Mit Hilfe des starken Zooms meiner Kamera vermochte ich den Sutro Tower auszumachen, der im ersten Bild kaum zu erkennen ist. So war ich sicher, dass es sich bei der Stadt am Horizont um San Francisco handelte.

 

Ein Schiff in der Ferne am silbern schimmernden Horizont

 

Blick zurück nach San Francisco

 

 

Der Sutro Tower ist das sichtbarste Symbol der Bay Area. Die Antennen des knapp 300 Meter hohen Stahlturms liefern in der gesamten San Francisco Bay Area neben anderen Diensten klare Signale für Fernseh- und Radiosender. Der Sutro Tower wird von 11 Fernsehsendern, vier UKW-Radiosendern, Satelliten- und Kabelanbietern sowie fast zwei Dutzend öffentlichen und kommerziellen drahtlosen Kommunikationsdiensten genutzt.

 

Herangezoomt: der Sutro Tower in San Francisco

 

 

Schließlich erreichte ich Stinson Beach (http://stinsonbeachcommunitycenter.org/). Direkt am Strand gelegen befand sich ein Parkplatz, auf dem ich meinen Mietwagen abstellte. Am Wasser angelangt schoss ich einige Fotos, bevor ich zu Fuß eine Runde im Ort drehte.

Der kleine Ort liegt direkt an der kalifornischen Pazifikküste, knapp 45 Autominuten von San Francisco entfernt. Der Sandstrand ist ein bei Einheimischen wie Touristen beliebtes Ausflugsziel. In der Nähe befinden sich noch weitere touristische Anziehungspunkte wie Muir Beach, Mount Tamalpais und nicht zu vergessen das Muir Woods National Monument, welches ich bereits besucht hatte, bevor ich Stinson Beach erreichte.

 

Stinson Beach

 

Stinson Beach

 

Als ich wieder auf die Hauptstraße zurückkam, schaute ich mich noch im Ortskern um. Besonders gefiel mir das an einem Hang gelegene Wohnhaus, welches vom großen Balkon bestimmt einen wunderbaren Blick auf das nahe Meer gestattet.

 

Wohnhaus am Hang in Stinson Beach

 

Außerdem stach mir noch „Many Villages“, ein Damenmode- und Accessoirgeschäft, ins Auge, welches wohl nach einigen Jahren einem Geschäft namens „Destination Stinson“ gewichen ist.

 

„Many Villages“, Accessories and Women’s Clothing

 

Nach diesem Spaziergang machte ich mich endlich auf den Weg zum Ortsende, um mein eigentliches Ziel, das fiktive Wohnhaus von Catherine Tramell, zu erreichen, welches ich am Ende der Straße vermutete. Die Straße führte mich zu einer kleinen Halbinsel mit vielen am Wasser gelegenen Domizilen, die leider mittels einer Schranke von der Umwelt abgeschottet waren. Der Weg lag auch nicht an einem Hang, wie es mir die Filmaufnahmen für Catherine Tramells Haus gezeigt hatten. Aber damit hatte ich fast schon gerechnet, als ich meine Recherche durchführte. Also hielt sich meine Enttäuschung in Grenzen.

Auf dem Rückweg nach San Francisco passierte ich noch eine Wegkreuzung, an der das malerische Hotel Pelican Inn lag, welches auch noch ein Restaurant beherbergt, so dass ich dort einfach anhalten musste. Auf der Homepage ist zu lesen:

„The romantic escape over the hills to the beach. . . an inn capturing the spirit of 16th century England’s west country awaits you.

Die romantische Flucht über die Hügel zum Strand. . . Es erwartet Sie ein Gasthaus, das den Geist des englischen Westens des 16. Jahrhunderts einfängt.“

 

Pelican Inn am Pacific Way in Muir Beach

 

Auf der gegenüberliegenden Seite der Straße entdeckte ich noch eine beeindruckend lange Reihe von Briefkästen, die für die Gegend so typisch sind, an denen ich nicht ohne Foto vorbeigehen konnte. Warum nur waren alle Briefkästen an einem zentralen Ort? Diese Frage drängte sich mir geradezu auf und Wikipedia gab mir darauf die Antwort.

Es ist in den USA verpflichtend eine „ladungsfähige“ Anschrift zu haben und seinen Wohnsitz beim Einwohnermeldeamt anzuzeigen. Wo sich der Briefkasten zu befinden hat, ist nicht vorgeschrieben. Allerdings haftet der Hausbesitzer, wenn sich der Zusteller auf dem Weg zum Briefkasten verletzt, weil der Hausbesitzer zum Beispiel der Räum- und Streupflicht nicht nachgekommen ist. Also macht man es dem Postboten so einfach wie möglich und stellt die Briefkästen in der Nähe der Straße auf, was man in den USA häufig sehen kann.

 

Briefkästen am Wegesrand

 

So ging der Tag zu Ende, ohne dass ich letztlich das gewünschte Ziel erreicht hatte, die von mir recherchierten Originalschauplätze von „Basic Instinct“ aufzusuchen. Aber einige Wegstrecken in den Serpentinen am Meer kamen mir doch ziemlich bekannt vor. Ich war ziemlich sicher, dass dort ein paar Szenen der Verfolgungsjagd gedreht wurden.

Trotz einer gewissen Enttäuschung darüber, dass die Drehorte wohl bewusst verschleiert worden worden waren, war es dennoch eine interessante Reise, die mich zu Zielen geführt hat, die ich ohne diese Idee wohl niemals besucht hätte, Muir Woods vielleicht ausgenommen.

 

Werbeanzeigen